Proktologie

Proktologie

Erkrankungen im äußeren Analbereich

Pilonidalsinus

Der Pilonidalsinus ist eine akut oder chronisch verlaufende Entzündung im subkutanen Fettgewebe im Steißbeinbereich. Abgebrochene Haare oder Haarteilchen gelangen unter die Haut und führen hier zu einer Entzündungsreaktion, die nicht abheilt und einen Abszeß in der Tiefe bilden kann. Es sind hautsächlich Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren betroffen. Im Bereich der Rima ani zeigen sich kleine Poren, die bei Druck Schmerzen können und gelegentlich ein eitrig-blutiges Sekret absondern.

Therapie
Eine konservative Therapie, z.B. durch Antibiotika denkbar, scheidet aus, da hiermit keine Heilung der Erkrankung herbeigeführt werden kann. Insbesondere bei Vorliegen einer Entzündung muß die chirurgische Therapie erfolgen. Bei tiefreichender Abszeßbildung wird der gesamte entzündliche Bereich in Vollnarkose ausgeschnitten. Die Wunde bleibt offen und heilt von der Tiefe heraus ab.

Bei weniger akuten Stadien der Erkrankung ist eine plastische chirurgische Versorgung möglich. Hierbei wird ebenfalls in Vollnarkose der gesamte entzündlich veränderte Bereich entfernt und die entstehende Gewebelücke durch eine spezielle OP-Technik mit gesundem Gewebe gedeckt. Der Vorteil dabei ist ein sofortiger direkter Wundverschluß und als Resultat eine wesentlich kürzere Wundheilungszeit mit mechanisch stabiler Narbe.
Beide operative Behandlungsverfahren werden in der Praxis ambulant durchgeführt.

Marisken

Marisken sind häufig vorkommende Hautläppchen im äußeren Analbereich. Sie kommen bei etwa 70-80% aller Menschen im Laufe ihres Lebens vor, hauptsächlich im höheren Lebensalter. Marisken entstehen meistens als spontane geschwulstartige Hyperplasien der Haut. Gelegentlich sind die Marisken aber auch die Folge einer weiteren Erkrankung des Analkanals (z.B. Analfissur, Analvenenthrombose). Sie stellen häufig ein Problem der Analhygiene dar und können Ursache unangenehmen Juckreizes sein.

Therapie
Marisken sollten in jedem Falle untersucht werden. In der Regel sind bis auf einfache Maßnahmen zur Analhygiene und ggf. Salbenanwendungen keine weiteren Therapien nötig. Bei ausgeprägten Marisken und begleitenden Erkrankungen ist eine chirurgische Entfernung zu empfehlen. Dieser Eingriff kann in lokaler Betäubung oder Vollnarkose in der Praxis erfolgen. Eine offene Wundheilung ist anzustreben, diese dauert etwa 2-3 Wochen.

Erkrankungen des Analkanals: Hämorrhoiden

Hämorrhoiden sind übergroße mit Blutgefäßen gefüllte Schleimhautlappen des Analkanals. Im gesunden Zustand liegen lediglich kleine Schleimhautläppchen etwa 3cm tief im Analkanal vor, die entscheidend zu einer Feinabdichtung von Gasen und wässrigem Stuhlgang beitragen. Je nach Größe der Hämorrhoiden werden 4 Schweregrade der Erkrankung eingeteilt.

Die Entstehung von Hämorrhoiden ist nicht eindeutig geklärt. Es wird eine genetische Prädisposition (familiäre Häufung) und eine mechanische Problematik verantwortlich gemacht. Entscheidend scheint die Stuhlkonsistenz, also die Beschaffenheit des Stuhls zu sein. Es sind deutlich mehr Patienten mit Durchfallneigung von Hämorrhoiden betroffen als solche mit festem Stuhl oder gar chronischer Verstopfung. Die Erklärung hierfür liegt in der „Mechanik des Stuhlabsetztens“. Bei formbaren oder festerem Stuhl werden die Hautläppchen beim Stuhlgang langsam plattgedrückt. Das Blut darin wird in tiefere Gewebeschichten geleitet  und der Weg zur Defäkation ist frei. Bei sehr weichem oder wässrigem Stuhl kommt es nicht zu einer ausreichenden Dehnung des Analkanales und die Hämorrhoidalpolster werden nicht richtig platt gedrückt und sind damit für mechanische Beschädigung viel empfindlicher.


Beschwerden und Symptome


Häufig treten während des Stuhlganges Blutungen auf. Das Blut ist von hellroter Farbe und die Menge kann beträchtlich sein. Über Wochen und Monate kann es dann wieder zu einer völlig unauffälligen Phase kommen.

Wie oben erwähnt ist bei Hämorrhoiden die Feinkontinenz gestört. Dies führt zu Nässen, Schmieren und stuhlverschmutzter Wäsche, sowie z.T. ausgeprägtem Juckreiz. Schmerzen sind dagegen für Hämorrhoiden nicht typisch.

Diagnostik


Größere Hämorrhoiden (Grad 3 und 4) sind bei der körperlichen Untersuchung von außen bereits sichtbar.

Kleinere Hämorrhoiden (Grad 1und 2) können bei der proktologischen Untersuchung getastet werden. Das wichtigste Diagnostische Instrument neben den Schilderungen des Patienten ist die Rektoskopie und Proktoskopie. Bei Auftreten von Blutungen muß eine gründliche Diagnostik erfolgen, um die Blutungsquelle zu sichern und andere Möglichkeiten (maligne Erkrankung) ausschließen zu können.

Nach Abführen des Patienten durch ein Klistier werden mit entsprechenden Instrumenten die letzten 20 cm des Darmes untersucht. Das Vorgehen ist schmerzfrei und bedarf keiner Sedierung oder gar Narkose. Die diagnostischen Maßnahmen werden mit dem Patienten ausführlich besprochen und in unserer Praxis nach Terminvergabe in den OP-Räumlichkeiten durchgeführt, um für den Patienten eine störungsfreie Umgebung und ein hohes Maß an Intimität zu ermöglichen.

Therapie


Die Grundlage der Behandlung stellt die sogenannte Basis-Therapie dar. Darunter versteht man eine Ernährungsberatung (faserreiche, ballaststoffreiche Kost), um die Stuhlkonsistenz zu optimieren. Der Stuhl sollte weich und geformt sein. Die Toilette sollte dann  nur aufgesucht werden, wenn das typische deutliche Dranggefühl vorhanden ist.

Die begleitenden Symptome des Hämorrhoidalleidens wie Juckreiz, Brennen und Wundsein können mit entsprechenden Salben und Tipps zur Analhygiene gut behandelt werden.

Hämorrhoiden 1. und 2. Grades, die bei der Rektoskopie und Proktoskopie diagnostiziert werden, können direkt mit einer sog. Gummiringligatur behandelt werden. Das Verfahren ist nahezu schmerzfrei. Hierbei werden die Hämorrhoiden mit einem vorgedehnten Gummiring an der Basis abgebunden und fallen nach wenigen Tagen von selbst beim Stuhlgang ab.

Größere Hämorrhoiden (3. und 4. Grades) können mit diesem Verfahren nicht mehr ausreichend behandelt werden. Dafür wird eine operative chirurgische Behandlung in Vollnarkose des Patienten benötigt. Es bieten sich hier unterschiedliche Techniken an, die eine ambulante Versorgung der Patienten in unserer Praxis ermöglichen.

Nachbehandlung


Nach einer Hämorrhoiden-OP erfolgt immer eine erneute Vorstellung des Patienten beim durchführenden Operateur zur Kontrolle.

Postoperativ werden zur Nachbehandlung Maßnahmen der Basis-Therapie eingesetzt. Die Dauer der benötigten Krankschreibung richtet sich nach dem jeweiligen OP-Verfahren und variiert sehr stark. Bei Gummiringligaturen ist keine Krankmeldung nötig, nach Versorgung größerer Hämorrhoiden kann eine Nachbehandlung und Schonung von bis zu 6 Wochen nötig sein.